Ausstellung des Fridericianum Kassel. Kuratiert von Anders Kreuger

Eine Ausstellung des Fridericianum Kassel. Kuratiert von Anders Kreuger, M HKA Antwerpen.

Die Schau ist die Weiterentwicklung einer Präsentations-Trilogie, die zuvor im M HKA Antwerpen sowie im Kunstverein Hannover und im Museum Abteiberg in Mönchengladbach zu sehen war AMVK Ausstellungsdauer: 9. November 2018 bis 24. Februar 2019 Pressekonferenz: 8. November 2018, 11 Uhr Eine Ausstellung des Fridericianum Kassel. Kuratiert von Anders Kreuger, M HKA Antwerpen. Die Schau ist die Weiterentwicklung einer Präsentations-Trilogie, die zuvor im M HKA Antwerpen sowie im Kunstverein Hannover und im Museum Abteiberg in Mönchengladbach zu sehen war.

Ihre Initialen setzt Anne-Mie Van Kerckhoven strategisch ein wie den Namen einer globalen Unternehmensmarke. Sie wählt bewusst die distanzierte Anonymität für ihr Schaffen, das in den 40 Jahren seit ihrem Entstehen von den kulturellen Erfindungen des Undergrounds maßgeblich gespeist wurde. Graffiti-artige Zeichnungen gehören ebenso zu ihrem Werk wie schrille Musik und exzentrische Performance. Den Wucherungen des technologischen Fortschritts und der künstlichen Intelligenz stellt sie die Zeitlosigkeit menschlicher Empfindungen gegenüber. Ausgangspunkt des Werkes von Anne-Mie Van Kerckhoven ist und bleibt das menschliche Gehirn mit seinen analytischen wie auch irrationalen Möglichkeiten von Wahrnehmung und Erkenntnis.

Anne-Mie Van Kerckhoven wurde 1951 in Antwerpen geboren, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Ihr Werk war immer konsequent interdisziplinär ausgerichtet. 1981 gründete sie mit ihrem Partner, dem Künstler Danny Devos, in Antwerpen die Noise-Band Club Moral, die bis 1991 existierte. 2001 ließen die beiden die Band wieder aufleben. Seit 1982 existiert das von beiden herausgegebene Magazin Force Mental. 1977 begann eine Zusammenarbeit mit dem Neurowissenschaftler Luc Steels und seit 1982 mit dessen Laboratory for Artificial Intelligence (Brüssel, heute Paris). Dadurch wurden zunehmend Bildsprachen bestimmend, die durch wissenschaftliche Bildverfahren geprägt sind: Diagramm, zeichnerische Animation, Text-Bild-Schema. Solche und andere Kollaborationen waren immer typisch für die Arbeitsweise der Künstlerin. Allem zu Grunde liegt ein klares, ja gnadenloses Bekenntnis zum sozialkritischen Anspruch ihrer Arbeit, hier „outet“ sich das Kind der 68er.

Die Künstlerin selbst erklärt ihre Arbeit in einem Manifest: “Im Gegensatz zu der Willkür, in der der Ursprung der geschriebenen wie gesprochenen Sprache liegt, habe ich das Unausgesprochene, das Mystische zu Wort kommen lassen. Von der Verzweiflung bis zur Ekstase – soweit reicht das Feld des Mystischen. Das ist die alles verschlingende Lust am Leben und der Liebe. Vereinigung, nicht Loslösung vom Rest der Welt. Kein Ego, keine Grenzen. Das Geschaffene wird eins mit dem Schöpfer.“ Und weiter: „Ich nenne es das Analoge. (…) Das Analoge ist ein Ritual, ein Mysterium, eine Sehnsucht, ein Verlangen, eine Lust - während das Digitale Kontrolle, Technologie, Sublimation, Abhängigkeit, Reduktion, Transparenz bedeutet. Das Analoge und das Digitale zusammen machen das aus, was den Menschen ausmacht:

Die Perspektive.“ (Anne-Mie Van Kerckhoven, Some Sort of Manifesto, 2016–17) Am Anfang ihrer Arbeit stand vor allem die schnelle, wie hingeworfen und doch fast übernatürlich präzise wirkende Zeichnung – Anne-Mie Van Kerckhoven studierte in den 1970er Jahren Grafikdesign in Antwerpen. Mit zackigem Gekrakel skizziert sie ihre Umgebung und verzerrt sie spielerisch-humorvoll ins Groteske. Später kommen großformatige Gemälde dazu, nicht selten in poppiger Reduktion auf Farben und Formen, aber auch in der Kombination verschiedener Materialien und Bildebenen, eher als malereifremd zu betrachten. Dabei steht oft der weibliche Körper im Mittelpunkt, nicht selten geht es um Formen exzessiver Selbst-Beobachtung wie von jemandem, der das feministische Bewusstsein für sich selber denkt.

In ihren Videos und Installationen verwendet sie häufig ihre Zeichnungen, aber auch Bilder von Pin-up-Girls, verfremdet Farben und collagiert. Andere Filme kombinieren verschiedene Blicke auf ein Geschehen. Ein ausgeklügeltes Verhältnis von Text und Bild zieht durch die gesamte Arbeit, analoge und digitale Bildwelten werden ineinander montiert. Bekannte Formate technologischer Ästhetik – Plexiglas, Computer, Drucke – finden darin Verwendung und werden zugleich mit der schnellen subjektiv-spontanen Geste des Übermalens und -zeichnens mit visueller Power aufgeladen. Anne-Mie Van Kerckhoven‘s Werk besteht aus einem großen Konvolut von Arbeiten, von Zeichnungen, Drucken, Gemälden, Filmen und (Video-) Installationen.

Bis heute ist sie in der kreativen Szene Antwerpens eine einflussreiche, aber umstrittene Vorreiterin – diese Rolle wird jetzt auch international bewertet und gewürdigt. Die aktuelle Ausstellung in Kassel beschließt eine Ausstellungstournee, die Van Kerckhoven bereits durch zwei Institutionen in Deutschland (Museum Abteiberg Mönchengladbach und Kunstverein Hannover) und eine in Belgien (M HKA, Museum für Gegenwartskunst Antwerpen) führte. Jede Präsentation entfaltete bzw. entfaltet ihr visuelles Eigenleben. Der mit ihrem Werk gut vertraute Kurator Anders Kreuger, Senior Curator am M HKA, hat die Ausstellung im Fridericianum als den Schlussakkord einer Art Trilogie konzipiert: „Während ihre Ausstellungen in Mönchengladbach und Hannover eine Art These formulierten, anhand derer die Künstlerin ihre intellektuelle Biografie in einer Serie von zwölf Kapiteln nachvollziehbar machte, folgte die spätere Station in Antwerpen ganz dem visuellen Flow.

In Kassel kommt nun als Abschluss, als eine Art Synthese dieser hegelianisch gedachten Dialektik, eine räumliche Erzählung hinzu, die beide Aspekte vermittelt und zusammenführt.“ Kassel, 11. Oktober 2018 documenta und Museum Fridericianum gGmbH Friedrichsplatz 18 34117 Kassel
PM: Museum Fridericianum

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