documenta 14 Das Parlament der Körper Kassel..

iQhiya, The Portrait, 2016, Performance, photo: Stathis Mamalakis.

Das Parlament der Körper Kassel, 27.–29. April 2017 Wie fühlt man sich als Problem? Die Öffentlichen Programme der documenta 14 – das Parlament der Körper – sind entstanden aus den Erfahrungen des sogenannten „langen Sommers der Migration“ in Europa

der nicht nur ein Versagen der modernen repräsentativen demokratischen Institutionen sondern auch ein Versagen der Ethik der Gastfreundschaft offenbarte. Das Parlament lag in Trümmern. Das wahre Parlament jedoch kam auf der Straße zusammen – als Versammlung unrepräsentierter und undokumentierter Körper, die sich Sparmaßnahmen und der fremdenfeindlichen Politik widersetzten. Die Welt durchläuft einen Prozess der „Gegenreform“. Diese hat zum Ziel, die weiße männliche Vorherrschaft wiederherzustellen und demokratische Errungenschaften rückgängig zu machen, für die die Bewegungen von Arbeiter_innen, die antikolonialen, indigenen, ökologischen, feministischen, sexuellen und anti-psychiatrischen Bewegungen in den vergangenen zwei Jahrhunderten gekämpft haben. In diesem Kontext wird das Parlament der Körper zu einer Plattform des Aktivismus, der Allianzen und der Kooperation. Nach acht Monaten mit Aktivitäten in Athen tagt das Parlament der Körper erstmals in Kassel und ruft zur Bildung einer antifaschistischen, transfeministischen und antirassistischen Koalition auf. Das Parlament der Körper richtet W. E. B. Du Bois’ Frage: „Wie fühlt man sich als Problem?“ als mögliche Interpellation an die „99 Prozent“ der Weltbevölkerung – unter Berücksichtigung des Prozesses, den der afrikanische Philosoph Achille Mbembé als das „Schwarzwerden der Welt“ beschrieben hat.

iQhiya, The Portrait, 2016, Performance, photo: Stathis Mamalaki

Während das moderne koloniale und patriarchale Regime die „Arbeiter_in“, die „Hausfrau“, den „Schwarzen“, das „Indigene“ und den „Homosexuellen“ erfand, bringen heutige Regierungsmethoden neue Formen der Unterwerfung hervor: von kriminalisierten Muslim_innen bis zu Migrant_innen ohne Papiere, von prekär beschäftigten Arbeiter_innen bis zu Obdachlosen, von Menschen mit Behinderung und den Kranken als Konsument_innen der Industrie der Normalisierung zu sexualisierten Arbeiter_innen, zu Transsexuellen ohne Papiere. Dieses performative Zusammenkommen etabliert keine Hierarchien zwischen sich radikal unterscheidendem Wissen, Sprachen und Praktiken, zwischen Aktivismus und Performance, zwischen Theorie und Poesie, zwischen Kunst und Politik: Kollektiv versuchen wir uns an der Herstellung eines öffentlichen Raums der Sichtbarkeit und der Artikulation. Hier versammeln sich Menschen, die für den heutigen hegemonialen Diskurs zum „Problem“ geworden sind. Wir haben keine gemeinsamen Identitäten, sondern wir sind mehr durch die verschiedenen Formen der Unterdrückung, Vertreibung und Enteignung miteinander verbunden, als durch unsere Hautfarben, Geschlechter, Gender oder Sexualitäten. Das Parlament der Körper besteht nicht aus Identitäten, sondern aus kritischen Prozessen der Ent-Identifikation.
(Paul B. Preciado) PROGRAMM Donnerstag, 27. April 2017 FRIDERICIANUM 15 Uhr Einführung von Adam Szymczyk und Paul B. Preciado 15:15 Uhr Boris Buden, Fascism: A Crime in Search of Perpetrators 16 Uhr iQhiya, Fresh off the Boat 16:45 Uhr Ulrich Schneider, Facing History and Ourselves: Preserving Memory – Acting Today – Change for the Future 17:30 Uhr Chto Delat, Here Me Burning 18 Uhr Evelyn Taocheng Wang, Idle Chatter 2nd – Holzwege 19 Uhr PAUSE 20 Uhr Dimitris Kousouris, Old and New Fascisms and Antifascisms 20:45 Uhr Lerato Shadi, Dinonyane tse Pedi 21:15 Uhr
Die Apatride-Gesellschaft des politischen Anderen (Max Jorge Hinderer Cruz, Nelli Kambouri, Margarita Tsomou), Integrated World Capitalism and the Ithagenia Condition: On Indigenous Knowledge in the European Crisis, Migration and Borders, the Coloniality of Contemporary Capitalism, and Self-Determined Otherness 22 Uhr Zoe Mavroudi, The Witch Hunts of Athens: An Experiment for a New Europe 22:45 Uhr Raúl de Nieves, La Mosca/The Fly 23:15 Uhr PAUSE 00:30 Uhr Adespotes Skiles, The Waltz of the Dirty Streets 1:30 Uhr LOTIC (Ungeplante Interventionen von Mattin) Freitag, 28. April 2017 FRIDERICIANUM 10–15 Uhr Georgia Sagri, Attempt. Come 15 Uhr Franco “Bifo” Berardi, Questions About the Double-Headed Monster That Is Destroying Life on the Planet, and How to Deal with It 15:45 Uhr Grada Kilomba, Illusions
16:15 Uhr Tatiana Roque, Back to the Closet! A Backlash Against Emerging Political Subjectivities 17 Uhr Zülfukar Çetin, Bodily Autonomy of Refuged Sex Workers and the Moralization of the Sex of the Other 17:45 Uhr María Galindo, Manifesto and How to Deal with the Feminist Insurrection 19 Uhr PAUSE 20–22:30 Uhr ALLIANCES BETWEEN MINOR INSTITUTIONS Stavros Stavrides, Emergent Common Spaces: Reinventing the Politics of Sharing Anna Dević/WHW, From Partisan Exhibitions to Exhibitions of Partisanship Gigi Argyropoulou, (Im)potential Resistances Emanuele Braga, Beyond Work and Private Property, the Macao Experience as an Institution of the Commons Maria Mitsopoulou und Mariza Avgeri, Clercking Vasyl Cherepanyn, Thinking Under Attack: On the International Principles of Contemporary Antifascism Olga Lafazani, Subverting the Borders Between Host and Hosted. The Everyday Life in City Plaza Project Chto Delat (Dmitry Vilensky), To be a Dissident: Screening and Questioning 22:30 Uhr PAUSE 23:30 Uhr Vaginal Davis, No One Leaves Delila 00:15 Uhr Boris Baltschun and Serge Baghdassarians, Backing Track 00:45 Uhr The Boy (Ungeplante Interventionen von Mattin) Samstag, 29. April 2017 FRIDERICIANUM 12 Uhr Filmvorführung, Aris Chatzistefanou, Fascism Inc, 2015, Griechenland, 73 min. Griechisch mit englischen und deutschen Untertiteln 16–18:30 Uhr ALLIANCES BETWEEN ANTIFASCIST MOVEMENTS FROM ATHENS AND KASSEL Aris Chatzistefanou Ayşe Güleç Dimitris Kousouris Thanassis Kampagiannis Kassel postcolonial (Joshua Kwesi Aikins und Evelyn Wangui) Forensic Architecture (Stefanos Lividis) Magda Fyssa Yannis Nifakos Die Gesellschaft der Freunde von Halit und Initiative 6. April (Lilimor Kuht, Serdar Kazak, und Fritz Laszlo Weber) Eleftheria Tompatzoglou Natascha Sadr Haghighian Niovi Zarampouka-Chatzimanou 19 Uhr PAUSE 20 Uhr Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, An Alignment of Contested Bodies and Spaces: On Alterity, Asynchrony, and Heterogeneity 20:45 Uhr Alfredo Jaar, It is Difficult 21:45 Uhr Cecilia Vicuña, Breaking the Heart of Creation 22:30 Uhr Schwabinggrad Ballett & Arrivati, Beyond Welcome (Ungeplante Interventionen von Mattin)Quelle: Pressemeldung- documenta 13 Kassel.

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