Kleine Bühne,große Themen.Migranten erzählen ihre Geschichten..

Kleine Bühne, große Themen. Im Mikrotheater erzählen Migranten ihre Geschichten Region Kassel. Nein, es nicht die große Bühne. Eher eine der Kleinsten. Und doch werden hier große Geschichten erzählt.

Die Rede ist vom Projekt "Mikrotheater". Inspiriert von ihren persönlichen Biografien und mit der Hilfe von Theatermacher Günter Staniewski haben sechs afghanische Frauen und zwei Männer sehr persönliche und bewegende Szenen entwickelt. Diese bringen sie jetzt auf die Bühne. "Mikrotheater bedeutet, dass die Geschichten nur für jeweils eine Person gespielt werden. Damit erschaffen wir eine sehr intime Situation", erklärt Staniewski, "die aber auch die Möglichkeit bietet, sich nach der Aufführung mit den Darstellern über das Gesehene und Erzählte zu unterhalten." Die Szenen sind jeweils drei Minuten lang und werden mit Hilfe von Puppenfiguren oder als Schattenspiel erzählt.

Der Zuschauer blickt durch eine Öffnung in einem Sichtschutz auf das Bühnenbild. Die Texte kommen über einen Kopfhörer und wurden zuvor professionell in einem Tonstudio aufgenommen. So können sich die Akteure ganz auf das Spiel konzentrieren. Die Schwestern Wazhma und Hamida Nadery erzählen vom Schicksal einer Frau aus Afghanistan, der viele jahrelang der Besuch der Schule von den Taliban verwehrt wurde.

Fotos 1- 4(Copyright: Landkreis Kassel)
Das Mikrotheater bietet immer nur Platz für einen Zuschauer. Die Texte kommen über einen Kopfhörer und wurden zuvor in einem Tonstudio professionell eingespielt.

Erst mit 17 Jahren nimmt sie ihr erstes Buch zur Hand und beginnt zu lernen. Heute ist sie Professorin in Kabul. "Du öffnest ein Buch - das Buch öffnet Dich" haben sie ihr Stück genannt. Wer es sehen will muss daher zuvor eine kleine Klappe in Form eines Buchdeckels öffnen. Andere Stücke berichten von Krieg, Gewalt oder Zwangsverheiratung.


Die Schwestern Wazhma und Hamida Nadery berichten davon, wie wichtig Bücher für afghanische Frauen sind.

"Es sind genau die Gründe, warum diese Menschen geflohen sind und die sie jetzt erzählen wollen", sagt Staniewski. Seine offizielle Premiere hat das "Mikrotheater" im Rahmen des Kultursommers Nordhessen beim 6. Internationalen Figurentheaterfestival vom 10. bis 13. Mai im Innenhof des Klosters Haydau in Morschen. Eine erste Kostprobe gab es jedoch schon bei der feierlichen Neueröffnung der Kasseler Stadtbibliothek im Victoria-Haus.


„Du öffnest ein Buch - das Buch öffnet Dich“ haben Wazhma und Hamida Nadery ihr Stück genannt. Wer es sehen will muss zuvor eine kleine Klappe in Form eines Buchdeckels öffnen.

Für weitere Auftritte gebe es bereits viele Anfragen, so Staniewski. Hintergrund: Günter Staniewski ist bekannt als Akteur des Figurentheaters Laku Paka, das seit 1983 existiert und mit dem er bereits zahlreiche Preise gewinnen konnte. Darüber hinaus ist Staniewski auch Theaterautor, Regisseur und Sprecher für Radio- und Filmproduktionen. Zudem baut er selbst Figuren und Bühnenbilder.

Seit Oktober 2017 betreut er das Projekt "Mikrotheater" für Migranten. Das Projekt wird vom Landkreis Kassel aus Mitteln des "WIR-Programms" des Hessischen Sozialministeriums gefördert. PM: documenta-Stadt Kassel. (KAJO)

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